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The End of Winter. (Photo © Werner Schauer)
TREIBHOLZFEUER INTERVIEW
Interview mit Werner Schauer (Veröffentlicht am 6. März 2013)
An einer Stelle des Romans heißt es: »Alles begann mit dem Treibholz. Bereits die ersten Menschen wurden daraus geschnitzt.« Das Wort »Treibholz« taucht im Titel des Buchs auf und der Begriff wird immer wieder leitmotivisch benutzt. Was ist an Treibholz so faszinierend?
Für mich ist Treibholz ein Stück nackte Natur. Das Meer oder ein Fluss, Steine, Sand, Wind und Wetter schleifen das Holz, entrinden es. Genauso geht das Leben mit uns Menschen um. Andererseits kann so ein Stück Schwemmholz eine Skulptur sein. Kunst. Aber in dem Buch geht es um Liebe und nicht um die Ästhetik des Treibholzes. Wie in einem Raft aus Treibholz, das sich in einer Spiralbewegung um ein Zentrum dreht, kreist in dem Buch alles um die Geheimnisse der Liebe und des Liebesverrats.
Beim Lesen habe ich manchmal an Goethes »Die Wahlverwandtschaften« denken müssen.
Ähnlichkeiten sind da, aber doch sehr gering. Wie in Goethes Roman fehlt in meinem Buch der Bezug zur Realität. Das Geschehen ist losgelöst von äußeren Ereignissen oder zeitgeschichtlichen Fakten. Hier wird nirgendwo eine Zeitung aufgeschlagen: Politik, Wirtschaft, Feuilleton, Lokales oder Gesellschaft sind kein Thema; wo Krieg geführt wird oder die Umwelt zerstört wird, das spielt keine Rolle. Es ist also eine künstliche Welt, die sich auch zeitlich nicht auf ein bestimmtes Jahr festlegen lässt.
Und die Figuren? Auf dem Cover des Buches stehen fünf Namen, ein Name ist ausgestrichen und ein Name ist mit Fragezeichen versehen.
Das ist die kürzest mögliche Inhaltsangabe. Ein paar Menschen, die so wahnsinnig oder so klug und geschickt sind, alles auf die Karte »Liebe« zu setzen.
Das bringt mich auf die Frage, ob der Roman autobiografische Hintergründe hat?
Schreiben (und Lesen) ist immer autobiografisch. Aber die Geschichte ist nicht autobiografisch. Wie in Goethes Roman geht es um zwei Paare, die sich in meinem Buch aber gerade nicht über Kreuz verlieben. Auch führt die Leidenschaft, die Erotik, das Sexuelle nicht ins Chaos und zu einem tragischen Ende, wie das bei Goethe passiert. Der Versuch, wirklich und wahrhaft zu lieben, stehen am Ende des Buches. Chaos und Tod werden überwunden.
Wie sind Sie auf das Thema des Buches gekommen?
Die ersten Ideen zu dem Buch stammen aus dem Jahr 2002. Auf einer Autofahrt von München nach Sizilien - mit einer Zwischenübernachtung ausgerechnet in Eboli - kam mir dieser Gedanke: Ein junger Mann überredet seine Freundin, mit seinem besten Freund zu schlafen. Was passiert mit den Beteiligten? Die Geschichte hat sich dann im Lauf der Jahre entwickelt und verändert, auch weil die erfundenen Personen das so wollten.
Es gibt Stellen in dem Buch, die nahezu pornografisch wirken. Andererseits schreiben Sie, dass »alles nur um das Wiedererkennen der Liebe geht«?
Das Pornografische muss der Liebe ja nicht unbedingt feindlich gegenüberstehen! In dem Buch wird darüber kein Urteil gefällt. Natürlich kann man das auch anders sehen. Ein wesentlicher - aber nicht breitgetretener - Handlungsstrang ist eine obsessive und geheim gehaltene Liebesverbindung, die buchstäblich über den Tod hinaus geheim gehalten werden muss, wenn Liebe möglich sein soll. In »Treibholzfeuer« geht es um Liebe in allen Spielarten.
Mount Etna/Sicily
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Janina Schauer
Medusa on bronze sculpture Ikaro caduto from Igor Mitoraj in the valley of the temples in Agrigento in Sicily. Photo May 2012 © Werner Schauer
Ikaro caduto (fallen icarus). Bronze sculpture from Igor Mitoraj in the valley of the temples in Agrigento in Sicily. Photo May 2012 © Werner Schauer
Ciao Lipari
Quelle: triptychon.biz













